Nachdem ich vorgestern abend eine Horde extrem partytauglicher Mini-Host/essen (oder wie auch immer das politisch korrekt heißen mag, warum gibt eigentlich keinen Unisex-Begriff dafür, wenn selbst deren Outfit unisex ist) kennengelernt hatte, wollte ich mir heute unbedingt die „Mini-City“ ansehen. Ein als strandblonder Surfer getarnter BWL-Student hatte davon geschwärmt und mir bei einem Mojito erläutert, warum der Kunde von den Mini-Hosts eher richtiges „Brand Behaviour“ als einen steten Strom an Sachinformationen erwartet.

Der Mini-Messestand ist als kleine Stadt konzipiert und wirkt extrem lifestylig. In der Mitte legt ein DJ Platten auf und neben den ausgestellten Autos gibt es eine „Mini International Lounge“, in der man Wasser aus orangefarbenen Hartplastikbechern bekommt, die man behalten darf (ideal als Zahnputzbecher, erzählte man mir) sowie einen „Mini Lifestyle Shop“ mit dem Motto „Don’t cry. Buy.“ Dort gibt es neben Sonnenbrillen und diversen Leibchen auch eine große Taschenkollektion zu kaufen, die Mini zusammen mit
Mandarina Duck entworfen und genau auf die Maße der Autos abgestimmt hat.
Über die Mini-Stadt verteilt gibt es verschiedene Gimmicks, vor denen sich lange Schlangen bilden. Man kann einen virtuellen Rennparcours absolvieren und wird dabei, zumindest bei grenzwertigen Fahrkenntnissen, ordentlich durchgeschüttelt, weil man in einem Mini-Go-Kart sitzt, das die Fahrbewegungen simuliert. Außerdem kann man sich seinen Traummini am Computer zusammenstellen, sich dann fotografieren und virtuell in den Mini setzen lassen. Zum Schluß wird das Ganze als Postkarte ausgedruckt.
Das Beste an der Postkarte ist jedoch die Beifahrer-Funktion: Man darf nicht nur die Lackierung und Polsterung, sondern unter zehn Personen auch seinen Traumbeifahrer wählen und ebenfalls in den Mini setzen lassen. Meine eigenen, wissenschaftlich so überhaupt gar nicht fundierten Studien ergaben, daß bei den Damen ein freundlich lächelnder Schwarzer fast immer das Rennen macht. (Sehr amüsant sind übrigens die Frauen, die versuchen sich mit Kußmund fotografieren zu lassen, damit das Ergebnis so aussieht, als würden sie den Herrn liebevoll auf die Wange küssen. Das erfordert mehrere Anläufe und ziemlich umständliche Verrenkungen.) Wäre dieser Mann zumindest als Sonderausstattung im Lieferumfang enthalten, ich würde sofort ein neues Auto kaufen.
Die Hosts sind aber auch sehr appetitlich. Sie sehen alle aus wie frisch einer H&M-Reklame entstiegen und benehmen sich äußerst markenkonform, soll heißen nicht viel anders als am Abend zuvor in der Bar, nur daß es hier keinen Tisch gibt, auf dem sie tanzen könnten. Statt dessen bewegen sie sich auch am neunten Messetag leicht tänzelnd zu der Musik des DJs durch die Halle und zeigen keinerlei Ermüdungserscheinung. Die virtuellen Stadtbewohner, von denen Thomas bereits
berichtet hatte, sind ebenfalls außerordentlich munter als ich die Halle besuche.
Ich lasse mich von meinem freundlichen Host rumführen und sogar überreden, in einem Mini Platz zu nehmen, was ich zuletzt mit 17 in einem alten Mini getan hatte. Damals hatte ich mir beim Knutschen mit einem ebenfalls eher hochgewachsenen Menschen allerhand Beulen zugezogen und den Mini anschließend abgeschrieben. Aber ich werde angenehm überrascht vom neuen Mini. Viel mehr Bein- und sonstige Freiheit, als ich vermutet hätte. Überraschendstes Detail ist jedoch ein kleiner Griff, mit dem sich der Kofferraum auch von innen öffnen läßt. Das, so erläutert mir der Host, ist Pflicht auf dem amerikanischen Markt, für den Entführungsfall. (Ab 2007 dann auch mit Strahlenschild, der vor Alien-Entführungen schützt.)
In der Mitte der Halle steht ein neuer Mini, von dem noch nicht klar ist, ob er je so in Serie gehen wird: eine Art Mini Passat. Sehr lang, mit viel Stauraum und ausreichend Platz auf den Rücksitzen, falls beim Knutschen ein Familienwunsch oder auch einfach nur zufällig eine Familie entstehen sollte, aber genauso flach wie ein Mini. Irgendwie niedlich. Die Reaktionen der Umstehenden fallen sehr unterschiedlich aus. Überzeugte Mini-Fans neben mir sind begeistert und sehen sich auch mit 70 und drei Enkelkindern noch im Mini, andere schütteln den Kopf und murmeln etwas von „normalen Passat kaufen, wenn man einen haben will“ und „wat soll dat denn, dat is wie zelten, wennse dich auch nen Häusken innen Urlaub leisten kanns.“
