Thema: Hybrid

Patschuli im Tank

Frankfurter sind ein sonderbares Völkchen. Sie verteilen über einem griechischen Salat mit Oliven und Schafskäse noch großzügig Zwetschgen und Melonen und servieren dazu dann Apfelwein mit Fanta. „Süß gespritzt“ nennt sich das und schon das Wort „gespritzt“ läßt die Bauerntochter in mir nichts Gesundes ahnen. Die sauergespritzte Variante (mit Wasser statt Fanta) macht mich dann aber doch sehr glücklich und bildet eine gute Grundlage für den weiteren Abend.

Dafür sind Frankfurter wirklich auffallend freundlich und bringen die mit Abstand charmantesten Barkeeper der Republik hervor (ich kann sowohl die Sandbar als auch die Mini-Bar wärmstens empfehlen). Das könnte natürlich zum Teil auch an meinem reizenden, ortsansässigen Begleiter gelegen haben, der so ziemlich jeden Barkeeper persönlich zu kennen scheint und überall mit Handschlag begrüßt wird.

Aber auch die Taxifahrer sind ausgesprochen freundlich. Der Fahrer gestern nacht hatte einen starken osteuropäischen Akzent und hätte Sophies Bruder sein können. Er war Montag auf der IAA, um sich ein neues Taxi zu bestellen, erzählt er noch bevor mein Hintern das Polster berührt. „Eine neue Mercedes, was fährt mit Gas und noch so was.“ – „Noch so was?“ – „Na ja, wie heißt das doch gleich mit die Blumen im Öl?“ Diverse Mojitos und Bombay Crushed schwappen träge durch mein Hirn. Blumen im Öl? Patschuli? Rucola-Salat?

“Ach ja, Bio-Diesel ist die Wort.“ Schade, Blumen im Öl klang irgendwie charmanter. Ich glaube, ich geh jetzt gleich mal zu Mercedes und guck mir das persönlich an. Vielleicht sollte man das Marketing mal darauf hinweisen, daß Blumen im Öl zumindest in der weiblichen Zielgruppe noch vermarktbarer sein könnte als Bio-Diesel.

Hybrid erobert die Welt

Ein Wort, welches ich nach der IAA sicherlich nicht mehr hören kann, weil es mir bereits aus den Ohren tropft: Hybrid.
Aber man kennt solche Buzz-Wörter-Hypes ja als Mensch der sich seit Jahren im Internet tummelt. Auf der IAA flackert an jedem Stand und bei jedem Hersteller der etwas auf sich hält das Wort "Hybrid" auf Autos, Broschüren und Fahnen.

Nein, ich will die Technologie nicht unbeliebt machen. Es ist schick dass endlich auch deutsche Hersteller - mit 1.200 Jahren Verspätung - die Bedeutung der Hybrid-Technologie entdecken. Dabei ist man in Bayern und Baden-Württemberg so stolz auf seinen technologischen Vorsprung ...

Honda HybridWährend also Audi und Porsche einmal ankündigen Ihre SUV-Edelkarossen irgendwann ab 2008 oder 2010 mit Hybridantrieb beim Händler zu parken rennen Toyota und Honda schon einmal voraus. Während BMW und Mercedes derzeit nur herumstottern ob und wann ein Modell vielleich als Hybrid beim Händler stehen wird, haben die japanischen Hersteller bereits rund eine halbe Million Hybrid-Wagen verkauft.

Toyota-Vizepräsident Kazuo Okamoto erklärte auf der IAA: "In der Zukunft werden alle Autos von Toyota auch als Hybrid erhältlich sein." Und Takeo Fukui, CEO bei Honda Europa, schwenkt auf diese Linie mit ein: "Für uns stellen die bisherigen Möglichkeiten allerdings erst einen Anfang dar. Wir werden die Hybridtechnologie ausweiten und für weitere europäische Modelle anbieten.".
Honda und Toyota haben bisher weltweit ingesamt rund 533.000 Fahrzeuge mit Hybridantrieben verkauft, bis 2006 will allein Toyota noch einmal 400.000 verkaufter Hybrid-Modelle in der Bilanz verbuchen.

Deutsche Automobilbauer hingegen setzen sich erst jetzt auf das Hybrid-Pferd. Und das auch nur zaghaft, an der Longe.

Bild: Takeo Fukui vor einem Honda Hybrid, obs/Honda Motor Europe (North) GmbH

Ein Hybrid. Ein Halber, zumindest.

Die Studie eines Mercedes HybridNoch ein Hybrid.
Diesmal von Mercedes.
Was gestern bereits durch einige Autoblogs raunte, die einen als "Bluetech Hybrid" gekennzeichneten Mercedes auf der Ladefläche eines LKW ausmachten, ist seit heute offiziell: Mercedes stellte heute zwei Hybrid-Konzepte vor.

Am Beispiel der neuen S-Klasse gab DaimlerChrysler-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Weber das Ziel von Mercedes vor: „Benziner sollen so effizient wie Diesel und Diesel so sauber wie Benziner werden".

Die beiden Konzepte kommen dann auch genau dieser Formulierung nach: Man setzt bei Mercedes weiterhin auf die "klare Bekenntnis zum Verbrennungsmotor als unverzichtbare
Basis für die nächsten Jahre
" (Zitat Mercedes Pressemitteilung).
Der „DIRECT HYBRID" ist ein 3,5 Liter-V6 Direkteinspritzer, der von einem kompakten, drehmomentstarken Elektromotor unterstützt wird.
Der "BLUETEC HYBRID" ist ein elektrisch unterstützter neuer 3-Liter V6-Diesel der Stickoxide um rund 80 Prozent reduziert. Damit ist der im BLUETEC HYBRID verbaute Diesel der sauberste der Welt.

Mercedes traut sich also noch nicht so ganz: Die zwei vorgestellten Modellen sind "weiche" Hybrids. Autos also, bei denen der Elektormotor den Verbrennungsmotor unterstützt, in dem er den Antriebsstrang zusätzlich mit antreibt. Der Verbrennungsmotor schaltet immer nur dann ab, wird er nicht gebraucht, vor der Ampel beispielsweise. Ein direktes Umschalten vom Fahrer nur auf den Elektroantrieb ist bei solchen Lösungen nicht vorgesehen. Auch wenn Mercedes in der Pressemappe hervorhebt, dass dies irgendwann, eines schönen Tages durchaus auch bei den vorgestellten Lösungen denkbar sei. Wann, das ist ein anderes Thema ...

(Bild: obs/ DaimlerChrysler)

Hybrid: Call me Hype?

Wenn morgen die IAA die Tore - vorerst einmal nur für Journalisten - öffnet, dann ist ein Thema nur zu übersehen, zieht man sich Scheuklappen über. Und selbst dann wird es schwer: Hybridantriebe sind das Thema.

Die asiatischen Hersteller wie Honda und Toyota zeigen bereits serienreife Entwicklungen von Antriebsmischungen aus einem herkömmlichen Motor und einem Elektroaggregat, während die meisten europäischen Hersteller derzeit nur Studien zeigen können.
Bereits im Vorfeld ist - nicht zuletzt durch die in den letzten Monaten steigenden Rohöl-Preise - das Thema Hybridantrieb auch außerhalb der IAA ein Thema, welches mehr und mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht.

BMW ist erst vor einigen Tagen einer Hybrid-Allianz von DaimlerChrysler und General Motors beigetreten. Volkswagen hat seine Meinung bezüglich Hybridlösungen ebenfalls geändert und entwickelt gemeinsam mit dem chinesischen Partner SAIC für den Touran einen Hybridantrieb.

Lexus mit HybridpowerIn den USA ist das Thema Hybridantrieb bereits ein großer Verkaufsfaktor. Japanische Hersteller - vor allem Toyota - verkaufen in den USA und Europa bereits fleißig Autos mit zweifach-Motor, während deutsche Automobilbauer noch ein wenig hinterher hinken.
Auf der IAA präsentiert die Luxusmarke Lexus - Tochter von Toyota - den Lexus GS 450h. Der ist mit 340 PS der bislang stärkste Hybrid, den man derzeit in einem Serienfahrzeug verbaut.

Der BMW X3 auf der IAA mit Hybridantrieb"In ein paar Jahren werden Brennstoffzellenantriebe das Maß der Dinge sein", sagt ein Motorenentwickler des bayerischen Autobauers BMW. Die Münchener präsentieren mit dem Hybrid-X3 ihre Vision von zukünftigen Antriebsformen.

Die deutschen Autohersteller schlafen noch ein wenig. BMW und VW haben sich erst in den letzten Tagen zu dem Thema bekannt. Bei Porsche hält man sich bedeckt, obwohl man in Branchenkreisen durchaus damit rechnet, dass man den Cayenne bald dann auch mit einem Hybridkonzept anbieten könnte.
Und Audi? Aus Ingolstadt hört man zur Antriebstechnik der Zukunft kein Wort. Nicht einmal einen Ton.

 

Über das Blog

gigold Thomas Gigold liebt Autos und bloggt hier - wie schon 2005 - direkt von der IAA über die neusten Trends, Modelle und Überraschungen.

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