Handschuhpflicht
von Lyssa am 24.09.2005 IAA 05
In allen Hallen wuseln unzählige Menschen rum, oft in weißen Schutzanzügen, die ein bißchen an CSI & Co. erinnern, und halten die teuren Automobile und andere Hochglanzexponate mit Staubwedeln und Poliertüchlein fingerabdruckfrei. Beim Maybach geht man sogar noch einen Schritt weiter und streift selbst den leitenden Verkäufern noch weiße Baumwollhandschuhe über, damit das edle Gefährt unter keinen Umständen mit menschlicher Haut in Berührung kommt.Erstaunlicherweise findet die Präsentation des Autos für die begüterte Käuferschicht dann aber nicht wie beim Phantom in einer separaten Lounge, sondern unter den neugierigen bis abschätzigen Blicken der reichlich vorhandenen Zuschauer statt – heftiges Getuschel, bei dem die potentiellen Käufer ebenso bewertet werden wie das Auto selbst inklusive. Mitunter dürften sich Interessenten dank des Blitzlichtgewitters wie auf einem roten Teppich fühlen. Die Vater-Sohn-Kombination, die ich heute beobachten konnte, schien davon nicht sonderlich begeistert.
Anders als Thomas konnte ich mich sogar bis zum Maybach Exelero durchschlagen und das versprochene Foto nachreichen. Zumindest das Hinterteil ist drauf.

Ich war allerdings ein wenig enttäuscht von der Präsentation. Die anderen Nobelkarossen stehen auf drehbaren Plattformen und wenn man ein wenig Geduld hat, bzw. die beharrlichen Stöße in die Rippen sowie diverse Fußtritte ignoriert, dann hat man das Auto irgendwann von allen Seiten bewundert. Den Exelero aber haben sie auf einer statischen Plattform vor einer schwarzen Wand versteckt. Über die Wand laufen zwar gelegentlich Lichtstreifen, was bestimmt ungemein theatralisch wirken soll, doch insgesamt geht das Auto für meinen Geschmack zu sehr im Dramatisch-Dusteren verloren. Wenigstens sparen sie sich so den Mann mit dem Feudel und die Handschuhe für leitende Angestellte. Bei der Beleuchtung kann man Abdrücke und Schlieren sowieso nicht erkennen.
Nachtrag: Manche Hersteller lösen das Problem mit den Fingerabdrücken, indem sie ihre Autos einfach in großen Kästen an die Wand hängen. Und wieder zwei Stellen eingespart.


Schau, Mama. Ein Mercedes. Aus China!
Rund 80 Neuvorstellungen wird man auf der IAA betrachten können, vom „Einkaufswagen“ bis hin zum Sportler und Geländeläufer wird für Jeden etwas dabei sein. Nur einer, mit dem Jeder eigentlich gerechnet hat, wird fehlen: Der Bugatti Veyron.
Thomas Gigold liebt Autos und bloggt hier - wie schon 2005 - direkt von der IAA über die neusten Trends, Modelle und Überraschungen.