Lieber Weihnachtsmann, ich wünsche mir ...
von Lyssa am 25.09.2005 IAA 05
Die IAA ist zuende, jetzt beginnt das große Aufräumen und Auswerten, und ich übergebe das Steuer wieder an Thomas, der sich mit dem nötigen Ernst der Nachlese widmen wird. Vielen Dank für die schönen Tage auf der Messe, ich war wirklich gerne hier. Ich muß zugeben, daß ich schon immer sehr gerne Auto gefahren bin, mich für die Details aber nie sonderlich interessiert habe und für Design nur sehr sehr selten begeistern konnte (sieht man mal von nostalgischen Ausfällen angesichts einiger Oldtimer ab). In meiner Welt mußten Autos bislang nur von A nach B fahren können und das möglichst nicht zu langsam und ohne unterwegs unaufgefordert stehenzubleiben. Ach ja, ein Navigationssystem sollte vorhanden sein, weil die Strecke von A nach B mit mir am Steuer sonst unweigerlich über C, D und noch viel mehr führen würde, aber alles andere fiel in die Kategorie Schnickschnack.Doch die IAA, die drei Tage, während derer ich dem wirklich wunderschönen, matt silbernen Z4 Coupé gegenüber saß und die Eleganz eines Aston Martin Vanquish bewundern konnte, die drei Tagen voller Staunen darüber, was Autos heutzutage alles können im Vergleich zu meiner 12 Jahre alten Kutsche haben Begehrlichkeiten geweckt. Und wenn selbst mir das so geht, möchte ich mir gar nicht vorstellen, was die IAA in den Köpfen echter Autoverrückter anrichten kann.

Ich möchte jetzt auch ein Auto mit eleganten Kurven und einer rubinschwarzen Lackierung, die in einem bestimmten Licht plötzlich dunkelrot wird (und so gut zum Lieblingsnagellack passen würde) oder in Astroschwarz mit Glitzerpartikeln, die wie winzige Sterne aussehen. Und ich möchte ein Gefährt mit „night vision“, das mir nachts Infrarot-Bilder meiner Umgebung auf einen kleinen Bildschirm liefert, damit ich nicht mehr so angestrengt in die Dunkelheit starren muß, wenn ich auf dem Rückweg von Freunden im Alten Land bin und fürchten muß, jeden Moment ein Reh oder einen alten Bauern zu überfahren. Am besten gleich mit einer dieser Frontscheiben dazu, in der alle relevanten Fahrdaten in der Scheibe selbst dargestellt werden.
Und runflat Reifen natürlich, die auch im drucklosen Zustand noch eine gewisse Strecke bewältigen können, damit ich nie wieder kurz vor Basel im strömenden Regen ein bis unters Dach vollgepacktes Auto ausräumen muß, um an den Ersatzreifen zu kommen. (Ich bin allerdings dankbar, wenn ich den dazugehörigen Werbespot nach etwa 30 Wiederholungen in den letzten drei Tagen nie wieder sehen muß. Im Spot läuft ein Jogger durch den Wald und tritt in einen langen Nagel, der dann dekorativ oben aus dem Fuß ragt. Er zieht den Fuß mit einem satten Schmatzer wieder vom Nagel – das Publikum in der Halle stöhnt gequält auf – und läuft unbeirrt weiter. Ich bin jetzt relativ abgehärtet, möchte aber in absehbarer Zeit lieber nicht laufen gehen.)
Das neue Auto darf natürlich auch gerne einen personalisierten Schlüssel haben, damit es gleich weiß, daß ich jetzt einsteige, den Sitz entsprechend einstellt und meinen Lieblingsradiosender sucht. Damit ich künftig nicht mehr das Oldie-Gedudel höre, nachdem mein bester Freund gefahren ist oder den Sitz direkt unterm Lenkrad wiederfinde, nachdem meine etwas kurzgeratene Mutter im Auto saß. Nur die Aktivlenkung, die will ich nicht haben. Das Prinzip finde ich zwar ganz großartig, doch ich fühle mich vom dazugehörigen Slogan ein wenig beleidigt: „Steering – now with a brain.“ Ja was glaubt Ihr denn, wie ich bislang gefahren bin?

Bei den großen deutschen Automobilherstellern dominieren Nadelstreifenanzüge und Halstüchlein, bzw. Krawatten. Der Business-Stil ist Balsam für die Augen. Auswärtige Hersteller sehr teurer Sportwagen bevorzugen dekolletierte Abendkleider aus fließenden, glänzenden Stoffen. Ebenfalls ansprechend. Bei schwerem Gerät wie etwa dem Touareg will man Abenteuerflair versprühen und steckt die Hostessen in manchmal abenteuerlich legere, prinzipiell sandfarbene Freizeitkleidung, wie man sie sonst fast nur an deutschen Touristen in Afrika sieht. Leider hatte man dem Schuhlieferanten nichts vom Safari-Motto gesagt und deshalb die üblichen schwarzen Pumps bekommen. Urbaner Chic bei Mini und Smart mit Jeans, Turnschuhen und T-Shirt, Karohemdenpragmatismus bei Skoda und im Hause Mazda hat man sich für etwas entschieden, das verdächtig nach sportiver Freizeitkleidung für Ruhrgebietseingeborene aussieht. Dazwischen immer wieder tendenziell schwierige Farben wie lindgrün oder knallorange und Kleider aus ungewöhnlichen Stoffen. Aus Kreditkarten z.B., was Umstehende zu jeder Menge zweifelhafter Witze inspiriert.

Wirklich voll ist es morgens nur in der
Thomas Gigold liebt Autos und bloggt hier - wie schon 2005 - direkt von der IAA über die neusten Trends, Modelle und Überraschungen.