Rettet elektrischer Strom die Welt?
von tgigold am 24.08.2009 IAA 09

'Rettet elektrischer Strom meinen Wunsch nach individuellem Fahren?' Diese Frage stelle ich mir sein einigen Tagen recht häufig. Grund dafür: Die Bundesregierung hat in der letzten Woche einen "Entwicklungsplan Elekromobilität" beschlossen, der sich das ehrgeizige Ziel setzt bis 2020 rund eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen fahren zu sehen. Aber ist das realistisch? Rettet Strom unseren Individualverkehr auf dem Weg weg vom großspurigen Benzinverbrauch?
Daimler will den Elektro-Smart künftig in Serie bauen und ab 2012 zum Verkauf anbieten. Dabei ist Daimler nicht der einzige Konzern, der an Elektroautos "bastelt". Egal ob General Motors, BMW, Porsche, Citroën, Fiat, Mitsubishi .. die Liste der Automobilhersteller, die den Elektroantrieb derzeit intensiv erforschen oder kurz vor einer Serienfertigung stehen ist lang. Ebenso lang ist eigentlich die Geschichte der Elektroautos, denn schon kurz nach der Geburt des Automobils war Strom die Alternative zum Benzin. Einziges Problem - damals wie heute -: Der Akku. Über diesen definiert sich ein Elektroauto. Bei Geschwindigkeit und Kraft stehen Elektroautos ihren Benzin-Rivalen in Nichts mehr nach. Das beweist unter anderem der Tesla. Doch die Batterie ist ein Klotz an den vier Rädern: Schwer, und im Vergleich zum gefüllten Benzintank doch eher schwach. Reichweiten von rund 100 Kilometern bei Ladezeiten von acht Stunden. Das sind Werte, die für den Stadtverkehr reichen, bei längeren Anfahrtswegen zum Büro, in den Urlaub oder auf der Dienstreise schon ein wirkliches Hindernis sind.
Strom als alleiniger Kraftlieferant ist beim Individualverkehr - also dem persönlichen PKW - für den Stadtverkehr sicherlich eine Lösung - aber nicht "der Weisheit letzter Schluß". Urlaub mit dem eigenen Auto fällt mit dem reinen Elektro-Antrieb ebenso flach, wie lange Geschäftsreisen oder Shoppingtouren in die Großstadt. Als jemand, der auf einem Dorf zwischen zwei Großstädten wohnt habe ich an einem Tag schon öfters mehr als 120 Kilometer am Stück zurückgelegt.
Trotzdem wird sich auf der IAA viel um das Thema Elektroantrieb drehen. Denn im Regelfall legen wir am Tag nur rund 60 bis 70 Kilometer zurück. Für einen Zweitwagen ist der stromzehrende Motor also absolut eine Alternative.
Bis wir allerdings Elektroautos massenweise im Alltag sehen, werden noch Jahre vergehen. Nicht nur bis 2012 oder 2020. Zum einen liegt das am Preis der Akkus, die teuer sind - und bei teuer hört der Umweltgedanke bei vielen Konsumenten leider auf. Dann an der Technik selbst: Akkus überleben nicht tausende Ladezyklen ohne an Speicherkraft zu verlieren - jeder, der ein Notebook sein eigen nennt oder ein Handy länger als ein Jahr nutzt, erlebt dies selbst. Und dann ist da die fehlende Infrastruktur. Oder haben Sie in letzter Zeit einmal eine Elektrotankstelle gesehen? Ganz davon abgesehen, wie Energieversorger reagieren würden, wenn plötzlich 200.000 Menschen ihre Elektroautos aufladen wollen.
Um all diese Aspekte wesentlich besser erforschen zu können, hat die Bundesregierung jetzt also den "Entwicklungsplan Elektromobilität" beschlossen. Dieser soll die Forschung an Elektroautos mit bis zu 200 Millionen Euro fördern. Mit den Fördergeldern will man dabei nicht nur in die Forschung für die Verbesserung von Antriebe und Akkus investieren. Auch Projekte, die das "Konzept Auto" überdenken sollen gefördert werden.
Bis das Elektroauto in einigen Jahren dem Benzin- oder Diesel-getriebenem Auto vielleicht doch den Rang ablaufen wird, sind Hybrid-Autos und verbesserte Diesel-Aggregate dann vielleicht doch eine Alternative. Mit BluTec, EfficientDynamics oder Hybrid-Modellen wenden sich die Autohersteller der Zukunft zu und versuchen den Benzinverbrauch - und damit den CO2-Ausstoß - zu verringern.
Die Stars der IAA 2009 werden sicherlich die Elektroautos von Morgen sein - Tesla, Mitsubishi MiEV, Traband nT. Bis diese Modelle aber den Kampf mit heutigen Serienwagen aufnehmen können, sollte man sich vielleicht doch noch einmal nach einem Hybrid-Modellen umsehen. Die sind seit seit dem ersten großen IAA-Hype im Jahr 2005 endlich erwachsen geworden und marktreif. Auf der IAA 2009 werden Sie es sehen. Hautnah. Und nicht nur bei BMW.
Thomas Gigold bloggt - wie schon 2005 & 2007 - über die Trends und Highlights der IAA. Daneben geht es um die neuen Modelle und Überraschungen bei BMW & MINI.