Kristallglas und Regenschirmparkplatz inklusive
von Lyssa am 23.09.2005 IAA 05
Ich fahre einen zwölf Jahre alten Golf, der dank der generellen Parkschwäche meiner Hamburger Mitbürger außen mehr Beulen hat als Robbie Williams Tattoos. Von innen hat mein neurotischer Köter unauslöschliche Spuren hinterlassen, die ich hier lieber nicht im Detail beschreiben möchte. An meinem ersten Tag auf der IAA stand mir daher eher der Sinn nach Luxus und nicht unbedingt nach vernünftigen Autos für Großstädterinnen mit Finanz- und Parkraumproblemen. Also auf zu Rolls-Royce, den Phantom aus nächster Nähe begutachten und hingebungsvoll das Wurzelholz-Intarsien-Interieur streicheln. Zu diesem Zweck wird man von einem freundlichen Herren in eine elegante VIP-Lounge gebeten.Der Phantom ist von außen zuerst mal eins: groß. Sehr groß. Und alles handgemacht. Mit seinem kastigen Design erinnert er an die 80er. Wer partout technische Details haben möchte: 6,75 Liter V12 Motor, 460 PS, hier darf er bis zu 240 km/h fahren, die Amerikaner müssen sich mit 208 km/h begnügen und er beschleunigt trotz seiner Größe in 5,9 Sekunden von 0 auf 100. Im Schnitt braucht er 17 Liter, was für Besitzer dieser automobilen Kategorie aber keine große Rolle spielen dürfte, ganz egal wie sich der Spritpreis entwickelt. Das Werk ist für die Produktion von bis zu 1200 Fahrzeugen im Jahr ausgelegt, in Deutschland gibt es derzeit ungefähr 50 bis 60 davon.

Jetzt aber zu den wirklich wichtigen, den kaufentscheidenden Dingen. Man muß sich keine Sorgen mehr um die Kühlerfigur machen (die es auf Wunsch übrigens auch in Gold gibt). Beim Parken in gefährdeten Gebieten, also überall außerhalb der eigenen Garage, kann Emily auf Knopfdruck eingefahren werden. Außerdem ist das dezente RR-Logo in der Mitte der Felgen so gelagert, daß es immer aufrecht steht und auch beim Fahren deutlich lesbar bleibt, weil das Rad sich drumherum dreht.
Was außerdem auffällt sind die gegenläufigen Türen, für die es lange Zeit keine Zulassung gab. Den Behörden war wohl das Risiko zu hoch, daß der Chauffierte beim Aussteigen aus dem Fond den Gärtner vom Fahrrad holt. Die Türen verriegeln übrigens automatisch, sobald der Wagen schneller als 5 km/h fährt. Wenn der Chauffeur mal seine Manieren vergißt oder grad den Gärtner aufklaubt, dann muß man sich nach dem Einsteigen nicht mal weit aus dem Auto lehnen, um die Tür wieder zu schließen. Die Türen lassen sich von innen per Knopfdruck elektronisch schließen, und gleiten wirklich ganz sanft wie von Geisterhand zu. In den Türen selbst befinden sich Regenschirme, damit die teure Frisur nie ernstlich in Gefahr gerät.Hat man sich erst mal bequem zurückgelehnt, dann kann man die Schuhe ausziehen und die Zehen in das Lammfell kuscheln, das selbst auf der Fahrerseite den Fußboden bedeckt (der Chauffeur ist im Lieferumfang nicht enthalten, habe ich mir sagen lassen). Oder man greift zu den Kristallkaraffen mit Logo-Gravur, die in einem kleinen Fach zwischen den Rücksitzen versteckt sind und genießt bei einem Drink den Anblick des edlen Wurzelholzes, in das man natürlich auch die eigenen Initialen einarbeiten lassen kann (wäre das dann KB oder müßte ich wegen Lyssa mittlerweile schon KLB daraus machen, hmm).
Falls jetzt jemand Kauflust bekommen hat, es gibt insgesamt drei Händler in Deutschland. Und ich assistiere sehr gern bei der Jungfernfahrt.

Thomas Gigold bloggt - wie schon 2005 & 2007 - über die Trends und Highlights der IAA. Daneben geht es um die neuen Modelle und Überraschungen bei BMW & MINI.